Reale Hintergründe und Völkerrecht

Die schützende Hand Gottes, sie ist es, die der Vatikan in dieser Geschichte am dringlichsten braucht. Neben den Optionen einer juristischen wie auch moralischen Verurteilung der katholischen Kirche, stellt der Roman die realhistorische Dimension der Machtergreifung der Kirche und ihre Folgen in den Mittelpunkt. Er macht mit Spannung auf alte und gegenwärtige Missstände der Kirchengeschichte aufmerksam und bedient sich dabei der zahlreichen Erkenntnisse der weltweit besten Kirchenkritiker und Journalisten, die sich ausgiebig mit den historischen wie aktuellen Verbrechen der katholischen Kirche beschäftigt haben. Hervorzuheben sind Karl Heinz Deschner, Hans Küng, Alan Posener, Michael Hebis oder Hans Albert.
Mit welchen Folgen die katholische Heilslehre die heidnischen Kulturen Europas und der Welt verdrängt hat, ist ein weiterer und anderer Blickwinkel auf über 1700 Jahre konstantinische Kulturgeschichte. Es geht um den Verlust des Respekts vor Mensch, Tier und Natur. Die Aufklärung, gegen die man sich in Rom bis heute stemmt, die kantische Revolution der Vernunft, war demnach nur die Implosion eines Vakuums, das mit der Vernichtung der alten Philosophen geschaffen wurde. 
Nun gilt es den nächsten Schritt zu gehen und den Einfluss der Kirche soweit einzuschränken, wie sie sich der Realität und der historischen Wahrheit sowie der Verantwortung für aktuelle Entwicklungen versucht zu entziehen. Welche Konsequenzen dies haben kann, zeigt der Roman mit einem fulminanten Ausgang.
Eine der brisantesten Fragen, die der Roman in seinem Verlauf in den Mittelpunkt stellt, ist ein Völker- und strafrechtliches Szenario mit ungeahntem Ausgang. Noch vor kurzem erschien die Idee den Vatikan vor Gericht zu stellen als abwegig. Aber seither ist viel geschehen, soviel, dass der Roman in Teilen durch die Realität bestätigt ist.
Die schleichende Isolierung und Erosion der ältesten Weltmacht
Wie gespalten die Deutsche Gesellschaft beim Thema „katholische Kirche“ ist, zeigen nicht zuletzt die Bestellerlisten der vergangenen knapp zwei Jahre. Dabei lagen die kirchenkritischen Bücher, darunter Alan Posener, „Benedikts Kreuzzug - Der Angriff des Vatikans auf die moderne Gesellschaft“ und Hans Küng im März 2011 mit der rhetorischen Frage „ist die Kirche noch zu retten?“, vor den Büchern Ratzingers.
Trotz der Aufdeckung der Missbrauchsfälle und der Verdacht von massiver Geldwäsche durch die Vatikanbank scheint sich auch die Kirche der Gegenwart immer noch über der weltlichen Jurisdiktion zu wähnen. Doch das blendet einen massiven Verlust von Glaubwürdigkeit und einen klar erkennbaren Strukturwandel im Völkerrecht aus, den der Roman realistisch und detailliert aufzeigt.
Angesichts des Glaubwürdigkeitsverlustes der Kirche, der jüngsten Skandale und Reformunfähigkeit setzt sich allmählich die Erkenntnis durch, dass der völkerrechtliche Status des Hl. Stuhl nur noch ein fahler Abglanz einstiger Größe, ein Relikt aus Zeiten ist, in denen die Päpste mit den Monarchen Europas auf Augen- und Machthöhe war. Deshalb erscheint es absehbar, das sich die internationale Gemeinschaft dazu durchringen wird, die Arbeit der katholischen Kirche auf multilateraler Ebene, das heißt in internationalen Organisationen und Konferenzen, auf eine moderne Basis zu stellen- nicht auf Basis einer Institution, die im Mittelalter entstanden ist.
Der Roman indes zieht weitere Schlüsse. Kann die Kirche die Verantwortung für eine von ihr maßgeblich beeinflusste Kulturgeschichte übernehmen? Nicht zuletzt, indem der Krimi enthüllt, warum uns durch die Operation „einziger Gott“ der tiefere Sinn des Seins geraubt wurde. Bei den letzten Nachfahren der Naturvölker können wir hier vielleicht in Zeiten des ökologischen Niedergangs im buchstäblich letzten Moment lernen.
Mit seiner Recherche um die keltischen Druiden als eine der ersten Opfer des christlich motivierten Fanatismus, entführt der Roman seine Leser in eine sagenumwobene Zeit, in der der kulturelle Wettkampf um das Abendland und große Teile der Welt entschieden wurde. Vorerst!
In der Realität mag es an der Zeit sein, dem Glauben an seinen rechten Platz zu verhelfen und die Verfolgbarkeit von Straftaten nicht Fiktion sein zu lassen.